Deutschland ist jetzt kein Land mehr mit einer Kultur, mit einer Sprache und mit einer Religion, sondern es ist ein Land mit vielen Kulturen, Sprachen und Religionen. Dies ist für Deutschland ein kultureller Reichtum. Die Menschen, unterschiedliche  soziale Gruppen, müssen auf der Grundlage von gemeinsamen Normen und Werten eine neue "gemeinsame Kultur" entwickeln. Diese neue Kultur gibt den Menschen ein Bewustsein und Verantwortungsgefühl für das gemeinsame Zusammenleben.

Die Schule und alle anderen Erziehungseinrichtungen sind also der Ausgangspunkt für einen Entwicklungsprozess. Im Kindergarten kann den Kindern bereits das soziale Verhalten für das Zusammenleben in und mit unterschiedlichen Kulturen vermittelt werden. Ziel und Absicht von uns Erziehern ist nicht die Spaltung, sondern die Bildung von Grundlagen, um das Zusammenleben in der Gesellschaft zu fördern.

Welche Bedeutung hat daher die muttersprachliche Erziehung in diesem Prozess?

Die gute Beherrschung der Muttersprache ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der Persönlichkeit sowie desSelbstbewusstseins und der Intelligenz und das Erlernen der Zweitsprache.

Die Anpassung und Verschmelzung mit der jeweiligen Gesellschaft ist erst dann möglich, wenn die Persönlichkeit gefestigt ist und die kulturelle Anlage auf sicheren Grund steht. Auch dabei ist die Muttersprache das Grundelement. Sie ermöglicht dem Kind einen sicheren kulturellen und sozialen Austausch mit seiner Umgebung.

Das Selbstvertrauen des Kindes wird durch den Austausch und das Zusammenleben mit Menschen aus anderen Kulturen gestärkt. Ein Kind, welches den Wert seiner eigenen Identität nicht erkennt, kann auch andere kulturelle Werte und Normen nicht wertschätzen. Aud diese Weise ensteht eine gestörte Persönlichkeit geprägt von Erfolgslosigkeit, Einsamkeit und Unangepasstheit, die weder ein Zugehörigkeitsgefühl noch Selbstvertrauen besitzt. Diese Kinder können sich weder der Gesellschaft anpassen noch der eigenen Familie und deren Umgebung. Auch gegenüber ihrer Familie entfremden sie sich. Wie kann von Kindern und Jugendlichen erwartet werden, dass sie sich in der Gesellschaft einfügen, wenn sie nicht einmal mt ihrer Familie übereinstimmen können?

Der Dialog beziehungsweise die Beherrschung der Muttersprache ist der Schlüssel und die erste Voraussetzung für die Anpassung des Kindes. Wenn die Muttersprache des Kindes nicht ausreichend ausgebildet ist, hat es große Schwierigkeiten seine Umwelt wahrzunehmen und zu verstehen.

Muttersprache hat auch beim Lernen folgende Auswirkung :

Kinder können sich eine zweite und dritte Sprache besser und einfacher aneignen, wenn sie ihre Muttersprache gut beherrschen.

Es ist eine Tatsache, dass Kinder erfolgreicher sind, wenn sie bereits in der Grundschule ihre Muttersprache gut beherrschen. Daher ist es kein Zufall, dass Oberstufenschüler ihre Muttersprache gut sprechen können.

Nach Sprachwissenschaftler K. D. heisst es: " Die Muttersprache hat einen größeren Einfluss auf die geistige Entwicklung des Kindes als die angelernte Fremdsprache. Da die Muttersprache alles das beinhaltet, was sich aus der traditionellen Lebensart im Laufe der Zeit heraus kristalisiert hat."(Bahtiyar Vahapzade, Vatan Millet Anadili, Atatürk Kültür Merkezi Yay., Ankara 19)

In Deutschland geborene und aufgewachsene Kinder sind unabhängig von ihrer Herkunft, ein Teil dieser Gesellschaft. Durch die Anerkennung der gesellschaftlichen Gegebenheiten, kann über Fragen der Integration und Bildung diskutiert werden. Assimilation kann kein Ziel von Bildungspolitik sein, da durch Assimilation alle kulturellen Unterschiede, die sich im Laufe des zusammenlebens entwickelt haben, aufgehoben werden sollen. Uns geht es um das Zusammenwachsen in gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Tolleranz. .

Der moderne Mensch unserer Zeit kann unter Bewahrung der eigenen Identität mit anderen Menschen, Gruppierungen und Kulturen zusammen leben. Es ist der Mensch, der gemeinsame kulturelle Werte und Normen entwickelt und für eine gemeinsame Zukunft arbeitet. Bildung muss sich das Ziel setzen Unterschiede zu respektieren und Gemeinschaft zu institutionalisieren. Die Voraussetzung für die oben beschriebenen Prozesse ist die Förderung und Unterstützung der Muttersprache unter Berufung auf wissenschaftlicher Untersuchungen. Auch wir Lehrer und Erzieher haben die Pflicht unsere Kinder in der Muttersprache zu unterrichten angesichts der oben benannten Entwicklungen und Ziele.

  

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